
Brunnenkresse:
Warum sie als gesündestes Gemüse der Welt gilt
Wer im Supermarkt nach Brunnenkresse sucht, wird sie oft nicht auf den ersten Blick finden. Dabei hat das unscheinbare Blattgemüse einiges zu bieten. Es schmeckt würzig, wächst gern am Wasser und wird in Ernährungsstudien immer wieder als besonders nährstoffreich hervorgehoben. Echte Brunnenkresse ist zwar kein Wundermittel. Aber sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie viele Vitalstoffe in einem einfachen Lebensmittel stecken können. Entscheidend ist der nüchterne Blick: Was ist wirklich belegt, was gilt nur als Hinweis, und worauf sollte man beim Verzehr achten? Genau darum geht es in diesem Beitrag.
Was ist Echte Brunnenkresse?
Die Echte Brunnenkresse trägt den botanischen Namen Nasturtium officinale und gehört zu den Kreuzblütengewächsen. Damit ist sie mit Kohlarten verwandt. Typisch sind runde, dunkelgrüne, fleischige Blätter und kleine weiße Blüten. Die Pflanze wächst bevorzugt an feuchten Standorten, also im oder direkt am Wasser. Deshalb wird sie auch Wasserkresse (in Englisch watercress) genannt. Geschmacklich ist Brunnenkresse leicht scharf, würzig-herb und erinnert etwas an Senf oder Gartenkresse. Verantwortlich dafür sind Glukosinolate, also Senföl-Glycoside. Genau diese Schärfe macht sie in der Küche interessant. Vorsicht ist nur beim Sammeln in der Natur geboten. Denn Brunnenkresse kann mit dem Bitteren Schaumkraut verwechselt werden. Das ist zwar essbar, schmeckt aber deutlich bitterer.
Warum Brunnenkresse so gesund ist
Wenn von Brunnenkresse als „gesündestem Gemüse der Welt“ die Rede ist, geht es vor allem um ihre Nährstoffdichte. Gemeint damit ist das Verhältnis von vielen wertvollen Nährstoffen zu wenig Energie, bzw. Kalorien. Genau das untersuchte eine häufig zitierte Studie in der Fachzeitschrift „Preventing Chronic Disease“. Dort wurden 47 Obst- und Gemüsesorten anhand von 17 relevanten Nährstoffen verglichen. Brunnenkresse erreichte dabei den Spitzenplatz. Hinzu kommt, dass Brunnenkresse wenig Kalorien liefert. 100 Gramm schlagen nur mit etwa 20 Kilokalorien zubuche. Die Aussage ist also kein medizinisches Urteil, sondern eine verkürzte Form für: sehr nährstoffreich bei sehr geringer Energiedichte. Andere Gemüse-Arten, die ebenfalls ein hervorragendes Verhältnis erreichten, sind z.B. Chinakohl, Mangold, Rübengrün, Spinat, Chicorée, Blattsalat und Petersilie.
Brunnenkresse: Nährwert, Inhaltsstoffe und potentielle Heilwirkung
Brunnenkresse enthält unter anderem die Vitamine A, C, E, K und B9, also Folsäure. Dazu kommen Mineralstoffe wie Kalzium, Magnesium, Phosphor, Kalium, Eisen, Zink und Natrium. Auch sekundäre Pflanzenstoffe sind reichlich vorhanden, etwa Lutein, Beta-Carotin, Quercetin und Zeaxanthin.
Als besonders wertvoll gelten auch die Glukosinolate. In einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit werden diesen Stoffen antioxidative, entzündungshemmende und stoffwechselunterstützende Effekte zugeschrieben. Es gibt Verbindungen und Zusammenhänge mit oxidativem Stress, Entzündungsprozessen, Blutfetten oder bestimmten Krebsrisiken. Das macht Brunnenkresse für die Ernährung interessant, aber gibt keinen Freifahrtschein für große Gesundheitsversprechen.

Wo kann man Brunnenkresse kaufen?
Wer Brunnenkresse kaufen möchte, braucht etwas Geduld. In Deutschland ist sie im normalen Supermarkt eher selten zu finden. Fündig wird man eher auf Wochenmärkten, bei gut sortierten Obst- und Gemüsehändlern oder in ausgewählten Fachgeschäften. Frische Brunnenkresse sollte möglichst rasch verbraucht werden, weil sie ihr Aroma schnell verliert. Im Kühlschrank kann sie über einen kurzen Zeitraum gelagert werden, am besten in ein feuchtes Tuch eingeschlagen. Trocknet sie aus, lässt der würzig-scharfe Geschmack deutlich nach. Einfacher findet man Samen der Brunnenkresse im Gartenmarkt. Das ist oft der einfachste Weg, regelmäßig an frische Blätter zu kommen.
Brunnenkresse anbauen: Samen, Pflanzen, Blüte und Ernte
Brunnenkresse anbauen ist einfacher, als viele denken. Die Pflanze liebt feuchte bis nasse Bedingungen. Die Samen werden auf feuchte Erde gestreut und nur leicht angedrückt. Da Brunnenkresse ein Lichtkeimer ist, sollten die Samen nicht mit Erde bedeckt werden. Im Topf funktioniert der Anbau gut, wenn die Erde dauerhaft feucht gehalten wird. Praktisch ist ein mit Wasser gefüllter Übertopf. Auch auf einem kleinen Balkon im Halbschatten kann das gut klappen.
Besonders üppig wächst Brunnenkresse dort, wo ständig frisches, nährstoffreiches Wasser vorhanden ist, etwa an einem Gartenteich. Geerntet wird idealerweise zwischen März und Mai beziehungsweise im Frühjahr vor der Brunnenkresse-Blüte. Nach der Blüte werden die Blätter schärfer und weniger zart. Geerntet werden vor allem junge Triebe. Wichtig ist gründliches Waschen unter fließendem Wasser. Beim Wildsammeln sollte man Standorte in der Nähe von Viehweiden oder Viehtränken meiden, weil dort Parasiten-Larven des Leberegels vorkommen können.
Brunnenkresse Rezepte: Wie wird Brunnenkresse in der Küche verwendet?
Ein klassisches Brunnenkresse Rezept muss gar nicht kompliziert sein. Die Pflanze wird am besten frisch verwendet. Ihr pfeffrig-scharfer Geschmack passt gut zu Salaten, Suppen und Smoothies. Auch als Topping auf Kartoffeln, in Kräuterquark, in Marinaden oder als würzige Zutat für Sandwiches, Wraps, Saucen und Pesto kommt sie gut zur Geltung. Selbst leichtes Anbraten ist möglich.
Wichtig ist die Dosierung. Brunnenkresse kann schnell dominant schmecken. Deshalb genügt oft schon eine kleine Menge, um einem Gericht Frische und Schärfe zu geben. Genau darin liegt ihr Reiz. Wer Rezepte mit Brunnenkresse ausprobieren möchte, startet am besten mit kleinen Portionen in bekannten Gerichten. So lässt sich der Geschmack gut einschätzen. Praktisch ist auch, dass die Pflanze durch ihr kräftiges Aroma andere, weniger gesunde Würzmittel teilweise ersetzen kann.
Brunnenkresse Wechselwirkungen: Wer sollte mit dem Konsum vorsichtig sein?
Auch ein gesundes Gemüse ist nicht automatisch für jede Menge und jede Situation geeignet. Wegen ihrer Senföl-Glycoside kann Brunnenkresse in großen Mengen Magen-, Blasen- und Nierenreizungen auslösen. Als Beilage wird sie in der Regel gut vertragen. Sehr große Portionen sind aber keine gute Idee. Eine wichtige Vorsichtsmaßnahme betrifft Menschen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen. Vitamin-K-reiche Lebensmittel können die Wirkung solcher Arzneien beeinflussen. Wer Gerinnungshemmer nutzt, sollte größere Veränderungen im Verzehr daher ärztlich abklären. Vorsichtig sein sollten außerdem Menschen, die empfindlich auf scharf schmeckende Kreuzblütler reagieren. Und wer Brunnenkresse selbst sammelt, sollte nur saubere, sichere Standorte wählen und die Pflanze eindeutig identifizieren können.
Fazit: Brunnenkresse har ein bemerkenswertes Nährstoffprofil
Brunnenkresse ist ein würziges, kalorienarmes Blattgemüse mit bemerkenswerter Nährstoffdichte. Gerade deshalb gilt sie oft als besonders gesund. Ihre Inhaltsstoffe sind wissenschaftlich interessant, vor allem Glukosinolate, Antioxidantien, Vitamine und Mineralstoffe. Am sinnvollsten ist Brunnenkresse als Teil einer abwechslungsreichen Ernährung: frisch, maßvoll und möglichst regelmäßig. So verbindet sie Genuss, Küchenpraxis und potenziellen gesundheitlichen Mehrwert auf überzeugende Weise.
Quellen:
- Jennifer Di Noia: Defining Powerhouse Fruits and Vegetables: A Nutrient Density Approach; in: Preventing Chronic Disease (2014)
- Chikondi Maluwa, Blecious Zinan’dala, Kanokwan Kulprachakarn, et al.: Watercress (Nasturtium officinale) as a Functional Food for Non-Communicable Diseases Prevention and Management: A Narrative Review; in: Life (2025)
- Hendrik Schulze, Johann Hornbacher, Jan P. Schuchardt, et al.: Immunomodulating Effect of the Consumption of Watercress (Nasturtium officinale) on Exercise-Induced Inflammation in Humans; in: Foods (2021)
- AOK: Was macht Brunnenkresse so gesund? (Stand: 04.07.2023)
- Hartford HealthCare: 3 Reasons Why Watercress Is the Healthiest Vegetable (Stand: 09.10.2023)

Volker Blasek
Volker Blasek ist Redakteur mit Schwerpunkt Gesundheit und Medizin. Er hat ein Studium zum Diplom-Redakteur abgeschlossen, außerdem eine Ausbildung als Gärtner sowie eine einjährige Zusatzausbildung auf einem Bio-Bauernhof. Seit über sieben Jahren beschäftigt er sich intensiv mit medizinischen und gesundheitsbezogenen Themen und hat bereits mehr als 3.000 Artikel in verschiedenen Medien veröffentlicht. Besonders gern schreibt er über Ernährung, medizinische Studien, Krankheiten und Symptome, Naturheilkunde und Pflanzen. In seiner Freizeit interessieren ihn Garten, Schwimmen, Kochen, vor allem asiatische Küche, das Bemalen von Miniaturen sowie das Reisen. Seine Lieblings-Reiseziele sind Südostasien und Griechenland.
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