Hand einer Person in rosa Oberteil hält eine pinke Schleife als Symbol für Brustkrebsbewusstsein

Krebserkrankungen in Deutschland: Die effektivsten Präventionsmaßnahmen

Eine Krebsdiagnose trifft viele Betroffene wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Oft entstehen Tumore jedoch über einen langen Zeitraum hinweg durch Veränderungen im Erbgut der Zellen. Die Wahrscheinlichkeit steigt mit zunehmendem Alter. Zwar gibt es keinen Lebensstil, der absolut vor Krebs schützt, doch ein großer Teil des Risikos ist beeinflussbar. Erfahren Sie in diesem Beitrag, welche Tumoren in Deutschland am häufigsten sind, wer besonders betroffen ist und welche Maßnahmen wirksam zum Schutz beitragen.

Wie viele Krebserkrankungen treten pro Jahr auf?

Laut dem aktuellen Bericht des RKIs zur Prävalenz von Krebs wurden im Jahr 2023 in Deutschland rund 517.800 Krebserkrankungen erstmals diagnostiziert. Etwa die Hälfte dieser Fälle entfiel auf nur vier Tumorarten: Brustdrüse, Prostata, Lunge und Dickdarm. Männer sind mit 276.400 Neuerkrankungen etwas häufiger betroffen als Frauen mit 241.400 Fällen. Das durchschnittliche Alter bei der Diagnose lag bei Männern bei 71 Jahren und bei Frauen bei 69 Jahren.

Welche Krebsarten sind in Deutschland am häufigsten?

Bei Männern war Prostatakrebs 2023 die häufigste Diagnose mit 79.610 Neuerkrankungen. Bei Frauen lag Brustkrebs mit 75.090 Neuerkrankungen an erster Stelle. Lungenkrebs war ebenfalls sehr häufig: 33.490 Fälle bei Männern und 24.850 bei Frauen. Darmkrebs (Dickdarm und Enddarm) folgte mit 30.250 Fällen bei Männern und 25.070 bei Frauen. Ebenfalls weit verbreitet ist der „weiße“ (nicht-melanotische) Hautkrebs mit 126.210 Fällen bei Männern und 116.610 bei Frauen. Diese Krebsart wird allerdings separat gelistet, da diese Tumoren nicht maßgeblich zur Sterblichkeit beitragen.

Fast jede zweite Person erkrankt im Laufe des Lebens an Krebs

Fast jeder zweite Mann (49 %) und mehr als zwei von fünf Frauen (43 %) erkranken im Laufe des Lebens an Krebs, wenn man aktuelle Inzidenzraten und die statistische Lebenserwartung zugrunde legt. Vor dem 65. Lebensjahr trifft es etwa jede sechste Frau und jeden siebten Mann. 2023 gab es 123.049 Krebssterbefälle bei Männern und 105.911 bei Frauen. Der Median, also das mittlere Alter beim Versterben, lag bei 75 Jahren (Männer) und 77 Jahren (Frauen).

Vermeidbare und nicht vermeidbare Risikofaktoren

Ein Risikofaktor ist ein Merkmal, das die Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung erhöht. Einige Risikofaktoren lassen sich beeinflussen, andere leider nicht. Unvermeidbar sind vor allem Alter und bestimmte genetische Voraussetzungen. Dazu kommt der Zufall, ob eine Mutation entsteht oder nicht. Niemand kann alles kontrollieren. Vermeidbare Risikofaktoren sind dagegen beeinflussbar. Zu den wichtigsten zählen: 

  • Tabakkonsum
  • Alkoholkonsum
  • Übergewicht
  • ungesunde Ernährung
  • Bewegungsmangel
  • bestimmte Infektionen.
  • Berührung mit krebserregenden Stoffen (Umwelt- und Arbeitsplatzbelastungen wie Luftverschmutzung)

Oft wirkt die Summe: Mehrere ungünstige Gewohnheiten und Risikofaktoren addieren sich.

Verschiedene gesunde Lebensmittel wie Brokkoli, Avocado, Linsen, Lachs, Artischocke, Blaubeeren, Orangen und Grünkohl auf weißem Untergrund arrangiert

Mehr als jede dritte Krebserkrankung ist vermeidbar

Verschiedene aktuelle Forschungsarbeiten kamen zu dem Ergebnis, dass mindestens ein Drittel der Krebserkrankungen vermeidbar ist. Das Deutsche Krebsforschungszentrum gibt zu bedenken, dass zwei von fünf Fällen durch ein gesundheitsbewusstes Verhalten vermeidbar gewesen wären. Auch international zeichnet sich dieser Trend ab: In einer großen weltweiten Studie im Fachjournal „The Lancet“ wurden 44,4 % aller Krebstodesfälle weltweit auf modifizierbare Risikofaktoren zurückgeführt. Als wichtigste Treiber werden Rauchen, Alkohol und ein hoher Body-Mass-Index genannt.

Diese 14 Präventionsmaßnahmen sind am effektivsten

Der aktualisierte Europäische Kodex gegen Krebs (5. Auflage; https://doi.org/10.1016/j.lanepe.2026.101592) fasst 14 alltagstaugliche Präventionswege zum Schutz vor Krebs zusammen:

  1. Nicht rauchen und keine Tabak- oder Nikotinprodukte nutzen. Wer raucht, sollte so schnell wie möglich aktiv aufhören.
  2. Passivrauch meiden. Das regelmäßige Einatmen von Tabakrauch anderer ist ebenfalls krebserregend.
  3. Übergewicht vermeiden oder abbauen. Kalorien-, zucker- und fettreiche Produkte meiden sowie ultra-verarbeitete Lebensmittel und Fertigprodukte.
  4. Bewegung in den Alltag holen und langes Sitzen reduzieren.
  5. Bei der Ernährung Vollkorn, Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst betonen. Rotes Fleisch reduzieren. Wurst und verarbeitetes Fleisch möglichst meiden.
  6. Alkohol am besten ganz vermeiden. Es gibt bezüglich des Krebsrisikos keinen sicheren Konsum.
  7. Für Mütter von Neugeborenen: Stillen so lange wie möglich, weil es das Brustkrebsrisiko senken kann.
  8. UV-Strahlung begrenzen, Sonnenschutz nutzen und Solarien am besten gar nicht verwenden.
  9. Radon beachten: Radon ist ein natürliches, radioaktives Edelgas. Es kann sich in Innenräumen (insb. Kellern) anreichern und ist nach dem Rauchen eine Hauptursache für Lungenkrebs. Bei Verdacht messen lassen.
  10. Am Arbeitsplatz auf krebserzeugende Stoffe achten und konsequent Schutzmaßnahmen einfordern.
  11. Luftverschmutzung reduzieren bzw. die eigene Belastung senken (z. B. öfter zu Fuß/mit Rad/ÖPNV, belastete Strecken meiden, keine Rauch- oder Feuerquellen in Innenräumen).
  12. Krebsverursachende Infektionen verhindern: Impfungen gegen Hepatitis B und HPV (humane Papillomviren, auch für Jungen) sowie Testen und Behandeln relevanter Erreger wie Hepatitis B/C, HIV und Helicobacter pylori (Magenbakterium) nach Empfehlung.
  13. Hormonersatztherapie in den Wechseljahren nur nach ärztlicher Beratung und so kurz wie möglich einsetzen.
  14. An organisierten Früherkennungsprogrammen teilnehmen (u. a. Darm-, Brust-, Gebärmutterhals- und bei erhöhtem Risiko auch Lungenkrebs).

Fazit: Krebs ist oft vermeidbar

Krebs ist häufig, besonders im höheren Alter. Aber Prävention wirkt: Mindestens ein Drittel der Fälle ist durch einen gesunden Lebensstil vermeidbar, nach DKFZ sogar rund zwei von fünf. Starten Sie am besten gleich heute mit einem starken Hebel: tabakfrei, alkoholfrei, mehr Bewegung, bessere Ernährung oder ein Vorsorge-Gespräch.


Quellen: 


Über den Autor
Volker Blasek ist Diplom-Redakteur mit den Themenschwerpunkten Gesundheit und Medizin. Mit über 3000 veröffentlichten Beiträgen in verschiedenen Medien ist er ein erfahrener Fachmann auf seinem Gebiet. In seiner Freizeit widmet er sich gerne seinem Garten und liebt es, neue Reiseziele zu erkunden.


Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.